Adam von Bremen:
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"Hamburgische Kirchengeschichte"

Zweites Buch

Kapitel 75.

Magnus, nunmehr Sieger, hatte Dännemark und Norwegen in Besitz. Zu ihm begab sich unser Erzbischof nach Sliaswig, begleitet vom Herzoge Bernhard und Thiadmar, dem Bischofe von Hildesheim, und Rodulf, dem Bischofe eben jener Stadt. [Dieser Thiadmar, der aus Dännemark gebürtig war und in der fremden Sprache Tymme hieß, kam mit der Königin Gunhild, durch deren Fürsprache er das Bisthum von  Hildesheim erlangte.] Während dieser Zusammenkunft wurde eine
Schwester des Königs Magnus mit Ordulf, dem Sohne des Herzogs, vermählt. Dieser hatte kaum die Hochzeit gefeiert, als er zu Gunsten seines Schwagers den Harold, einen Dänenfürsten, der von der Stadt der Apostel heimkehrte, jenseits der Elbe erschlug, obwohl derselbe ganz unschuldig war. Die
Ursache des Mordes war, daß Harold, dem Stamme der dänischen Könige entsprossen, dem Scepter näher zu stehen schien, als Magnus. Diese That brachte den Beginn des Unheils über die Familie des Herzogs.

Drittes Buch

Kapitel 42.

Im siebenzehnten Jahre unseres Erzbischofs starb Herzog Bernhard von Sachsen, der seit der Zeit des älteren Libentius schon vierzig Jahre hindurch die Angelegenheiten der Sclaven und der Nordelbinger und die unsrigen voll Rüstigkeit verwaltete. Nach seinem Tode erhielten seine Söhne Ordolf und Heriman die Erbschaft ihres Vaters, zur bösen Vorbedeutung für die Bremer Kirche. Denn diese, eingedenk des alten Hasses, den ihre Väter, wenngleich insgeheim, gegen eben diese Kirche ausgeübt hatten, meinten, jetzt müßten sie an dem Erzbischof und allen Angehörigen der Kirche offenbar Rache zu nehmen. Zuerst nun, noch bei Lebzeiten des Vaters, verheerte Herzog Ordulf, von einer feindlichen Schaar umgeben, das Bremer Bisthum in Friesland und ließ die Leute der Kirche blenden, ließ auch andere, die als Gesandte des Friedens wegen an ihn geschickt waren, öffentlich züchtigen und kahl scheeren; kurz er kränkte, plünderte, mißhandelte und mißachtete die Kirche und deren Angehörige auf alle Weise. Obwohl nun der Erzbischof, über diese Frevelthaten, wie natürlich, in geistlichem Eifer entbrennend, die Verächter der Kirche mit dem Schwerte des Bannes schlug, so erlangte er doch, als er seine Klage an den Hof brachte, nichts anderes, als Verhöhnung. Denn auch der König, das Kind, diente zuerst, wie man sagt, unseren Grafen nur zum Gespötte. Darum fügte sich der Erzbischof in die Verhältnisse und nahm, wie es heißt, nur um die mit einander gegen ihn verschworenen Brüder von einander zu trennen, den Grafen Heriman zu seinem Vasallen an. Dessen Dienste benutzend, brach er damals als Erzieher des Königs und Erster des Raths zum Feldzuge nach Ungern auf, indem er den Erzbischof von Köln zur Wahrnehmung der Reichsangelegenheiten zurückließ. Nachdem aber Salomo, den Belo vertrieben hatte, wieder in sein Reich eingesetzt war, kehrte unser Erzbischof mit dem königlichen Kinde als Sieger von Ungern zurück.

Kapitel 44.

Der Erzbischof hatte damals die erste Stelle am Hofe. Als man nun die Klage desselben vernahm, ward der Graf kraft eines Urtheils des Hofgerichts in die Verbannung geschickt, nach einem Jahre aber durch des Königs Gnade wieder freigesprochen. Darauf aber kamen derselbe Graf Heriman und sein Bruder, Herzog Ordulf, zur Entschädigung der Kirche und brachten für ihr Vergehen fünfzig Hufen dar und das Land blieb nun einige Tage ruhig.

Kapitel 50.

Der greise Bischof Johannes ward in der Stadt Magnopolis mit anderen Christen als Gefangener zum Triumphe aufbewahrt. Derselbe nun ward, weil er Christum bekannte, mit Schlägen mißhandelt, darauf durch die einzelnen Städte der Sclaven zur Verhöhnung umhergeführt und, weil er vom Namen Christi nicht abwendig zu machen war, so wurden ihm Hände und Füße abgehauen und der Körper auf die Straße  hinausgeworfen, das Haupt aber ward ihm abgeschnitten und die Heiden pflanzten es wie ein Siegeszeichen auf einen Spieß und opferten  es ihrem Götte Redigast. Dies geschah in der Hauptstadt der Sclaven, Rethre, am 10. November (1066).

Die Tochter des Königs der Dänen ward zu Michilenburg, der Stadt der Obodriten, gefunden und samt ihren Frauen [lange mit Schlägen gezüchtigt und dann] nackend fortgeschickt. Denn sie hatte, wie wir oben erzählt haben, Fürst Gotescalk zur Frau gehabt und mit ihr auch einen Sohn, Heinrich gezeugt.
Eine Andere aber hatte ihm den Butue geboren. Beide waren den Sclaven zum großen Verderben bestimmt.

Jene nun, die also siegreich waren, verheerten die ganze Landschaft Hammaburg mit Feuer und Schwert. Die Sturmarn wurden beinahe alle entweder erschlagen oder gefangen hinweggeführt, die Veste Hammaburg von Grund aus zerstört und zur Verhöhnung unsers Erlösers selbst die Kreuze von den Heiden  verstümmelt. Also ward an uns erfüllet die Prophezeiung (Psalm 79, 1) welche sagt: "Herr, es sind Heiden in dein Erbe gefallen, die haben deinen heiligen Tempel verunreinigt. u. s. w.;
prophetische Klageworte, welche über die Zerstörung Jerusalems  erschallen. Der Urheber jener Verheerung soll Blusso gewesen sein, der eine Schwester Godescalks zum Weibe hatte; er starb
als er nach Hause zurückkehrte, auch selbst eines gewaltthätigen Todes.

So fielen alle Sclaven, indem sie sich allesamt mit einander verschworen, wieder in's Heidenthum zurück, nachdem sie die, welche im Glauben verharren wollten, erschlagen hatten. Unser Herzog Ordulf kämpfte in den zwölf Jahren, um welche er seinen Vater überlebte, oftmals vergebens gegen die Sclaven und konnte nie den Sieg erreichen, ward vielmehr von den Heiden so oft besiegt, daß er auch den Seinen zum Gespötte ward.

2)  Er wurde erst 1072 Herzog nach dem Tode seines Vaters Ordulf.
1)  Ordulf starb am 28. März 1071.