Bork Ruth: Seite 148-161,163-164
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

21. Herzog Ordulf (Otto, + 1072)
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a. Wichtige Daten im Zusammenhang mit den nordischen und wendischen Beziehungen

Die für Ordulf [1 Der Name Ordulf findet sich bei Adam und Helmold in den Lesarten Ordolfus, Ordolph, Ordolfus, während Lambert und Bruno durchweg den Namen Otto für ihn gebrauchen, ebenso wie die Urkunden DH. IV. 87,105,112 und 168. Die später noch zu erwähnenden nordischen Quellen nennen ihn auch meist Otto, Oddo oder Otta, mit Ausnahme der Ann. Island. SS. XXIX, Seite 258, die 1072 anläßlich seines Todes von "Adulfr hertogi af Brunsvig" sprechen. Der Sächsische Annalist (SS. VI, Seite 698) bringt unter dem Jahre 1071 die Todesnachricht und schreibt "Ordulfus sive Otto, dux Saxonie...".], den vermutlich ältesten Sohn Herzog Bernhards II., in Frage kommende Geburtszeit hatten wir bereits im Zusammenhang mit der Vermählung seiner Eltern oben angedeutet [2 Siehe oben Seite 118.]. Angesichts der Vermählung Ordulfs und seiner kriegerischen Tätigkeit während der Jahre 1042/43 wird man zu jener Zeit immerhin nicht allzu jugendliches Alter voraussetzen müssen (er mag um oder etwas über oder unter 20 Jahre gewesen sein), so daß seine Geburt aller Wahrscheinlichkeit nach in den Jahren um1020 erfolgt sein dürfte.
Im Jahre 1042 fand die Verlobung und anscheinend sogleich die Eheschließung zwischen Ordulf und Wulfhild [3 Ihr Name wird in den dänisch-norwegischen Quellen in der Form Ulfhilde, im Deutschen aber als Wulfhild bzw. Wlfhilde geschrieben.], einer Halbschwester des Königs Magnus, bzw. der Tochter des norwegischen Königs Olaf II. des Heiligen und seiner Frau Astrid [4 Der im Jahre 1030 gefallene Olaf Tryggvason, wie er in den Quellen meist bezeichnet wird, (über das Todesdatum Näheres bei Maurer "Die Bekehrung des norwegischen Stammes zum Christentum Seite 530f., vgl. Munch I, 2 Seite 489ff. und Seite 786ff.) heiratete im Frühjahr 1019 Astrid, die Tochter König Olafs Schoßkönig von Schweden (siehe Maurer, ebd. Seite 556 und Königsfeldt, Genealogisk-historiske tabeller Seite 151 Nr. 15), so daß Wulfhild vermutlich um die Wende 1019/20 oder auch in den unmittelbar darauffolgenden Jahren geboren sein wird. Helmold bezeichnet sie irrtümlich als Tochter des Dänen-Königs, wohl auf Grund falscher Auswertung von Adam II, 79 (75).], statt. Magnus hatte seit dem Tode Knuts des Großen und seines Bruders Sven (+ 1036) die Herrschaft über Norwegen und seit dem Tode Hardeknuts, des letzten Sohnes Knuts des Großen (+ 1042) auch über Dänemark inne [5 Adam II, 73 (71) und die folgenden Kapitel, dazu J. Schreiner, Masgnus Olavsson og Danmark, Historisk Tidsskrift; Oslo 1930-1933, 29 5. Rh. 8 Seite 37.].
Magnus fand auf deutscher Seite freundliches Entgegenkommen, wohl nicht zuletzt auf Grund eines notwendig sich ergebenden gemeinsamen Vorgehens gegen die Wenden, die unter dem mächtigen Fürsten Ratibor dem dänischen Bereich gefährlich zu werden drohten [1 Munch, "De norske Folks Historie, Band II Seite 20f. meint, daß die Wenden den Krieg mit Dänemark zu jener Zeit begonnen hätten und wenn das auch nicht durch Sven Estridssons Ränke bewirkt sein mochte, so läge es doch nahe, daß zwischen diesem und den Wenden sich alsbald eine natürliche Verbundenheit auf Grund gemeinsamer Gegnerschaft gegen Magnus ergab, wie auch aus den von Munch Seite 20, Anmerkung 1 angegebenen nordischen Quellen zur Genüge hervorgeht.]. Adam berichtet uns jedenfalls, daß zwischen dem König Magnus, dem Bremer Erzbischof Bezelin, den Bischöfen Thietmar von Hildesheim und Rudolf von Schleswig und Herzog Bernhard II. eine Unterredung zu Schleswig stattgefunden habe und daß es dabei auch zu einer Verbindung zwischen Ordulf, dem Sohn des Herzogs, und der Schwester des Königs gekommen sei [2 Adam II, 79 (75) Seite 136 vgl Steindorff, Jbb. Heinrichs III. Band I Seite 274ff.]. In der Magnus-Sage findet sich eine etwas sagenhafte Geschichte [3 Hist. Magni boni regis SS. XXIX, Seite 405.], derzufolge Ordulf anfangs für den Kaiser um die Hand Wulfhildens geworben haben soll, wobei es am Hofe des Königs Magnus in Norwegen zu allerhand Verwechslungen und Intrigen kam, bis endlich Ordulf die Königs-Tochter dann doch selber zur Gemahlin erhielt, von der er, wie es zum Schluß heißt [4 Hist. Magni boni regis SS. XXIX, Seite 405: Otto hertogi ok Ulfhildr attu thann son er Magnus het; hann var anima mikill vexti ok manna vaenstr. Mann, tok riki eptir födur sinn, ok er fra honum komin hertoga aett i Brunsvik a Saxlandi.".], einen Sohn namens Magnus gewann. Dieser sei, als er zum Manne erwuchs, besonders schön und von großer Statur gewesen und habe später seines Vaters Herrschaft übernommen; von ihm leite sich auch das braunschweigische Herzogs-Geschlecht her. Aber bis auf das, was über Magnus ausgesagt ist, handelt es sich bei dieser Erzählung wohl um Ausschmückungen, die auch von der norwegischen Forschung ihrem Inhalt nach angezweifelt werden [5 Munch II, 16 schreibt dazu "Kfter et i vore Kongesagaer meddeelt Sagn, som dog ikke i sin Heelhad er aynderlig paalideligt, skal Ordulf i egen Person have indfundet sig allerede 1 Korge, for at bejle UIfhild, ...".].
Wedekind wies bereits an Hand verschiedener Todesdaten nach, daß jene Zusammenkunft, wie auch die Hochzeit Ordulfs dem Jahre 1042 angehören [1 Wedekind, Noten II, 56 setzt sich dabei zugleich mit Gebhardi, Geschichte der Königreiche Dänemark und Norwegen Band I, Seite 125 und Seite 438 auseinander, der die Heirat in das Jahr 1043 verlegen wollte.]. Er ging dabei vor allem von dem in das Jahr 1043 fallenden Todesdatum Erzbischof Bezelins aus, das allerdings eine Zeit lang von anderen Forschern zu Unrecht angezweifelt wurde [2 Gegen Steindorffs Ansetzung auf 1045 (Jbb. Heinrichs III. Band I, Seite 281 Anmerkung 1) wandte sich vor allem Dehio in seinen "Kritischen Ausführungen" unter Hinweis auf Lampert von Hersfeld (Holder-Eghger Seite 60) und Ser. arch. Brem. SS. XIII, Seite 345. Ihm folgt auch May in den Regesten der Bremer Erzbischöfe, Seite 51 unter weiteren Hinweisen auf die Ann. Brem. SS. XVII, Seite 855.]. Auch die Nachrichten der nordischen Quellen [3 Vgl. Steindorff, Jbb. Heinrichs III. Band I, Seite 276 Anmerkung 2, und Wigger, Meckl. Annalen Seite 74, siehe auch S. Olafssage (Vita Olavi sancti SS. XXIX, Seite 350), Snorri, Heimskringla, ebd. Seite 430, Hist. Magni Boni, ebd. Seite 396, wie auch die meisten anderen nordischen Quellen (Sagas und Skaldenstrophen).] von der großen Wendenschlacht bei Schleswig können zu einer genaueren Festlegung der Hochzeit Ordulfs dienlich sein. Die Schlacht fand gemäß der bei den Sagaschriftstellern waltenden Chronologie zur Zeit des Michaelisfestes, ein Jahr nach der Thronbesteigung König Magnus in Dänemark (Sommer 1042) statt, also im Jahre 1043, während die Hochzeit Ordulfs ebenso wie die Besprechung zu Schleswig dem Wendenkrieg voraufgegangen sein muß. Denn wenn die Kämpfe mit den Wenden um Michaelis, Ende September, ihren Höhepunkt erreichten, die weiter oben schon erwähnte Mordtat an dem Dänen-Fürsten Harold aber nach Adams Angabe [4 Adam II, 79 (75) Seite 136, vgl. oben Seite 126.] unmittelbar nach der Hochzeit und zwar, wie sich aus einem Vermerk im Necr. S. Mich. Lun. [5 Necr. S. Mich. Lun., Wedekind, Noten III, 86 "Idus Nov.... Haroldus dux et occisus".] ergibt, im November (13.11.) geschah, so können diese Ereignisse unmöglich in demselben Jahre 1043, sondern müssen schon in dem voraufgegangenen Jahr 1042 vor sich gegangen sein.
Auch aus den nordischen Quellen ersehen wir, daß die Hochzeit bereits vollzogen war, als Ordulf bei Schleswig-Haithaby dem König Magnus mit seinen Truppen zu Hilfe kam [1 Bei Snorre c. 27 SS. XXIX, Seite 341 heißt es "Kom til hans Otta hertogi af Saxlandi or Brunsvik. Hanna atti Ulfhildi dottur Olafs Konungs ens helga födur Magnus Konungs. Hertoginn hafdi mikla syeit manna ... ef mönnum theotti nokkur föng a, at hann maetti sigraz en flestir Köttu ok sögdu allir eitt til, at Vindr häfdu oflyjanda har. En Otta hertogi fysti heldr at berjaz".]. In der Zwischenzeit aber muß anscheinend die Eroberung der Jomsburg [2 Vgl. A. Hofmeister, Kampf um die Ostsee Seite 35f. (Anmerkung 30 und 31).] stattgefunden haben, durch die Magnus die unbotmäßigen Wenden zu treffen suchte [3 Die Hist. Magni Boni berichtet SS. XXIX Seite 404 (lateinische Übersetzung) "Quibus gestis classe in Vindlandiam trajecit et ad provinciam Jomensen appulit, ubi expositis copiis populationem fecit, pagos et homines incendit, Vendos populationibus graviter afflixit multasque res praeclare gessit..." und kurz davor "Rex Magnus dynastae provinciam, cui praesset, Jotiam dedit. Haec  ab Norvegia remotissima est, prosima Vandis et Saxonibus, qui id temporis Danos magnopere vexabant."]. Darüber, daß Magnus auch dort schon vons einem Schwager Ordulf unterstützt worden sei, wie es W. Giesebrecht [4 W. Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit Band II, Seite 401.] und W. Schultze [5 Gebhardts Handbuch der Deutschen Geschichte 7. Auflage Seite 267.] angeben, findet sich in den Quellen nichts. Adam berichtet nur, daß Magnus mit einer großen dänischen Flotte die reiche Stadt Jumne belagert habe [6 Adam II, Schol. 56 (57) Seite 137.]. Die Niederlage, fügt er in dem betreffenden Scholion hinzu, sei die gleiche gewesen, nämlich wie die von ihm im Text beschriebene der Schlacht von Haithaby [7 Ebd. A. r und s bringen die verschiedenen anderen Namensformen für Haithaby.]. Er scheint demnach chronologisch nicht genau unterrichtet gewesen zu sein, wenn er den in Wirklichkeit zeitlich voraufgehenden Jomsburger Zug mit der Schleswiger Schlacht zugleich oder auch nach dieser ansetzt [8 Adam II, 79 (75) Seite 137.].
Auch die Geschichte vom Tode Ratibors und seiner Söhne - eine der wichtigsten Voraussetzungen für die spätere Herrschaft des oben schon erwähnten, den BILLUNGERN nahestehenden Wenden-Fürsten Gottschalk - berichtet Adam anders als zum Beispiel Saxo Grammaticus [9 Saxo Gramm. I. X. Müll. Velsch. Seite 543.], doch scheint in diesem Punkt Adam besser unterrichtet zu sein als der reichlich 100 Jahre spätere Däne, dessen Darstellung im übrigen etwas sagenhaft anmutet.
Adam berichtet, daß der mächtige Slawen-Herzog Ratibor von den Dänen getötet wordens ei. Ihn hätten seine acht Söhne zu rächen gesucht, seien aber dabei ebenfalls alle von den Dänen getötet worden. Aus Rache seien alsdann die Winuler mit ihrem ganzen Heer nach Dnemark gekommen und plündernd bis Ripen vorgedrungen, so daß es bald darauf zur Schlacht bei Haithaby kam [1 Adam II, 79 (75) Seite 137.], während Saxo Grammatikus berichtet, daß ein wendischers heer raubend in Dänemark einfiel, da die Dänen 12 Söhne von einem ihrer Edelsten getötet hätten, der diese nun zu rächen suchte [2 Saxo Grammaticus L X, M.-V. Seite 543 "Quem Magno terra marique petrtinacius insequante, in Jutiam se repente Sclavicus effudit exercitus. Quorum irruptio dubium victori effecit, fugacamme hostem pellere, an imminentem excipere debuisset. Quidam enim gentis illus nobilidssimus, duodecim filius, maritimis praedonibus, apud Daniam spoliatus, Jutorum fines ferro orbitatem ulturus invasit."]. Nur werden dabei weder Namens- noch Zeit- oder Ortsangaben gemacht.
Adam dagegen fährt fort, daß die bis Ripen vorgedrungenen Wenden von Magnus, der von Norwegen zurückkehrend in Haithaby gelandet sei und schnellstens dänische Truppen zusammengezogen habe, bei ihrem Abzug aus Dänemark auf freiem Felde bei Haithaby zur Schlacht empfangen worden seien, 15.000 Wenden wären dort erschlagen worden, so daß die Christen fortan Frieden hatten, solange Magnus lebte [3 Adam II, 79 (75) Seite 137.].
Ähnliches berichten die nordischen Quellen, sowohl die zeitgenössischen Skaldenstrophen, wie auch die späteren isländischen Sagas [1 Die verschiedenen Quellen, die im Einzelnen später noch zitiert werden sollen, soweit sie in Frage kommen, hat bereits Wigger auf die wichtigsten Aussagen hin untersucht und in den Mecklenburgischen Annalen Seite 71 ff. zusammengestellt und im Auszug wiedergegeben. Auch Steindorff, Jbb. Heinrichs III. Band I, Seite 275ff. hat das, allerdings weniger ausführlich, unternommen.], nur daß sie außer dem Namen Haithaby hinsichtlich des Schlachtenortes auch von der Lyrskogsheide und der Schottburgerau sprechen und in ihren meist sehr viel ausführlicheren Schilderungen mehrfach die Unterstützung erwähnen, die Magnus durch Ordulf und die Sachsen zuteil wurde, von der aber bei Adam überhaupt nicht die Rede ist. Dieser mag das Material zu seiner Schilderung ebenso wie manches andere einem Bericht des Dänen-Königs Sven Estridson entnommen haben, der selber aber nach Angabe der nordischen Quellen kurz vor der Schlacht bei Haithaby auf der Flucht vor Magnus nach Schonen entwichen war [2 Hist. Magni Boni c. 27, 28 SS. XXIX, Seite 404.], so daß er von den Einzelheitten der Schlacht nicht ganz so genau unterrichtet gewesen sein mochte.
Wenn Magnus Sven mit seiner Flotte nach Schonen zu folgen suchte, dann aber von dem Wendenheer Nachricht erhielt und umkehrte, so mochte die Gegend von Haithaby gerade die passendste Stelle sein, die bereits weiter nördlich vorgedrungenen Wende von ihren gebieten abzuschneiden. Man konnte sie dort bei ihrem Rückzuge abfangen. Darüber, daß die Wenden von Norden kommend - nicht von Süden, wie es in einigen Erzählungen heißt [3 Die Ortsangaben wechseln und sollen im folgenden noch eingehender besprochen werden.] - von Magnus angegriffen wurden, sind sich die norwegischen Forscher anscheinend einig. Munch macht darauf aufmerksam [4 Munch Band II Seite 23 Anmerkung 1, siehe auch J. Schreiner Seite 39.], daß andernfalls gar nicht verständlich wäre, wie Ordulf mit seinen Kriegsleuten Magnus zu Hilfe gekommen sein sollte. Jedenfalls wäre es nicht möglich gewesen, wenn die Wenden in ihrer Überzahl alle südlich Schleswig liegenden Durchgangsstellen besetzt gehalten hätten.
Für die Richtigkeit der Angaben, die von einer Schlacht nahe Schleswig ausgehen, spricht auch, daß sich nordwestlich der Stadt Schleswig ein Dorf Lürschen befindet [1 Siehe auch Steindorff Jbb Heinrichs III. Band I Seite 276 Anmerkung 4 und Munch II, Seite 23 Anmerkung 1.], das man mit in den nordischen Quellen fast überall als Schlachtort erwähnten Lyrskogsheide (Luirrakogsheithr) zusammenbringen zu können glaubt. Eine Schwierigkeit bestand nur darin daß bei einem der ältesten Berichterstatter, dem Skalden Tjodolf [2 In den Strophen Thjodolfs heißt es (Finnur Jonsson A. I, Seite 333 V. 6, vgl. Band I Seite 362) "Minn va sigr fyrir sunnan/snjallr Heidaby spjalli/naer fra ak skarpa skaeru/Skotborgara gotna. Munch II, 24 (Anmerkung 1 Fs.) meinte, daß man dies jedenfalls verschieden übersetzen könne, entweder: "min Fyrste vandt Sejr sonden for Heidaby, jeg erfoor at der stod en skarp Strid naer ved Heidaby", wobei er sich selber mehr für die letztere Übersetzung einsetzt, zumal ja zu berücksichtigen sei, daß sich die altnordische Verskunst einer noch etwas anderen Ausdrucksweise bediente. Das mag den späteren Schreibern, die auch weniger ortskundig waren, durcheinandergegangen sein.] und auch bei dem späteren Snorre (+ 1241) in der Heimskringla und in seinem Leben Olavs des Heiligen sowie ferner in der Magnus-Saga des ausgehenden 13. Jahrhunderts [3 Snorre, Heimskringla SS. XXIX, Seite 304f und Vita Olavi sancti, ebd. Seite 350f.; Hist. Magni boni, ebd. Seite 396f,: Knytlinga-Saga, ebd. Seite 276f u.a.] - dies vermutlich in Nachfolge des Erstgenannten - neben Haithaby und der Lyrskogsheide der Name Skotborgara im Zusammenhange mit dem Bericht von der Schlacht auftaucht. Die Skotborgara bzw. die Schottburgerau ist nun aber als nördlich von Ripen sich hinziehende Grenzfluß zwischen Jütland und Schleswig bekannt [4 Meyers Universal-Atlas K. 11 zeigt auch die Ortschaft Schottburg, nordöstlich von Ripen, desgleichen in gr. Andree, 59/60 C 1 (8. Auflage).], während ein gleichnamiger Fluß in der Gegend von Schleswig nirgends vorkommt. Die Versuche, das Schlachtfeld infolgedessen weiter nördlich zu suchen, wurden von L. Giesebrecht und Steindorff mit Recht abgewiesen [L. Giesebrecht, Wendische Geschichte Band II, Seite 83 und Steindorff, a.a.O. Seite 276 Anmerkung 4.], ohne daß dabei auf die Nennung der Schottburgerau näher eingegangen wurde. Da nun zwar Täjodolfs Anwesenheit bei der Schlacht von Aarhus (3 Monate nach der Schlacht von Schleswig) bezeugt ist [6 Snorre, Magnussaga 36, 1.], ein Augenzeuge der Schleswiger Schlacht aber, der Skalde Oddr Gellisson auf die Lyrskogsheide als Ort der Schlacht nennt [1 Hist. Magni c. 31, SS. XXIX, Seite 400.], wäre es gut denkbar, daß entweder Tjodolf selber nicht die für die Beschreibung der Örtlichkeit nötigen, aus eigener Anschauung gewonnenen Kenntnisse besaß, oder daß zumindest seine Angaben von solchen, die nicht dabei waren mißverstanden wurden, so daß, wenn vond er Schottburgerau südlich Schleswig die Rede ist, ursprünglich wohl gemeint war, daß sich die Wenden bei ihren Kämpfen - sie mögen bei ihrem Vordringen bis Ripen und auf ihrem Rückzug gewiß von den Dänen nicht unbehelligt geblieben sein, wenn auch die Hauptschlacht bei Schleswig stattfand - vond er Schottburgerau aus in südlicher Richtung bewegten, denn auch Adam berichtet uns, wie schon erwähnt, von dem Vormarsch der wendischen Heere bis dorthin, und war unabhängig vond en nordischen Quellen [2 Adam II, 79 (75) Seite 137f.]. Auch Munch mißt seiner Aussage besonders Wert zu [3 Munch II, Seite 23 Anmerkung 1.].
Bei Schleswig fanden die Kämpfe dann, wie gesagt, ihren Höhepunkt. Die Wenden erlitten eine vernichtende Niederlage, obwohl, wie die nordischen Quellen berichten, 60 Wenden gegen je einen der Nordmänner gestanden haben sollen [4 Hist. Magni boni regis c. 31 SS. XXIX, Seite 399f. "höfdu heidingjar her sva mikonn, at eigi voru fuerri enn 60 heidhningja um einen konungsmann" (Lateinische Übersetzung "tantum pagani copiarum habuere, ut  non pauciores quam sexagiata pagani singulos regiorum circumsisterent..."), und bei Snorre c. 27 Seite 341, 1 heißt es: "Eun er Magnus kon. la vid Skotborgara a Hlyrskogsheidi, tha kom hömom niosn af her Vinda, oc that med at heir höfdo sva mikinn manuffölda, at eigi feck tölo akomit, oc M. Kon. hafdi litina lutvid fiölmannis" (Lateinische Übersetzung: "Sed cum Magnus rex versaretur ad flumen Skotborgense in tesquis Hlyrskogensibus, certior factus est de exercitu Slavorum per exploratores, etiam eos tantum exercitum habere, ut nemo cum numerare posset."]. Auch Adam erwähnt ja die hohen Verluste der Wenden [5 Adam II, 79 (75) Seite 137.]. Ob die in den Sagas sehr breit geschilderten Einzelheiten über die Schlacht immer ganz wörtlich genommen werden dürfen, ist zu bezweifeln. Doch werden die Hauptzüge der Darstellungen wohl kaum irgendeiner realen Grundlage entbehren. Zu diesen Darstellungen gehören außer der besagten wendischen Übermacht, die für den König wichtig gewordene Traumerscheinung, in der sein Vater Olaf ihm zur Schlacht riet.
Von Ordulfs Teilnahme berichten Snorre (Heimskringla) [1 Snorre, Heimskringla SS. XXIX, Seite 340f.] und Vita Olavi sancti [2 Vita Olavi sancti, ebd. Seite 350f.], sowie die Historia Magni boni regis [3 Hist. Magni boni regis ebd. Seite 396f.]. Anfangs ist von zahlreichen Truppen die Rede, die er herzubrachte [4 Snorre, Hskr. Seite 341 "kom til hans Otta hertogi af Saxlandi or Brunsvik. Hann atti Ulfhildi dottur Olafs konungs ens helga, föthar Magnus konungs. Hertogins hafth i mikla sveit manna... (Lateinische Übersetzung: "Ad cum (Magnus) venit Otto dux Saxoniae de Brunsvic. Is duxerat Ulfhildam, filiam lavi regis sancti, patris Magni regis. Dux habebat multas copias militum...").], und nachher heißt es, daß er, als die Mannschaften des Königs Magnus aus Furcht vor der wendischen Übermacht vor einem Angriff zurückscheuten, dennoch zum Widerstand geraten und zum Kampfe getrieben habe [5 Snorre ebd. "... ef mönnum thaetti nokkur...at hann maetti sigraz en flestir löttu ok sögtu allir eitt til, at Vindr höfdu oflyjanda her. An Ottos hertogi fysti heldr at berjaz..." (Lateinische Übersetzung: "... plerique vero rem dissuaseruntet dixerunt omnes unum, Slavos exercitum, qui fugarui non posset, habers. Sed Otto duc potiuscohortatus est, ut pugnaretur".).]. In der Hist. Magni finden wir ähnliche Aussagen, und ebenso in Snorres Vita Olavi sancti [6 Siehe oben Anmerkung 2 und 3.]. Wenn dies auch ein Teil der nordischen Quellen ist, so heißt es doch in der Hist. Magni boni ausdrücklich, daß der Skalde Odar, der selber jenen Kämpfen beiwohnte, dies alles berichtet habe [7 Hist. Magni...Seite 400.], so daß man die Richtigkeit der Angabe von der Teilnahme Ordulfs, für die übrigens sowohl deutsche wie norwergische Forscher eintreten [8 Zum Beispiel L. Giesebrecht, Wendische Geschichte II, Seite 63, W. Giesebrecht, Kaiserzeit Band II Seite 401, Witte, Mecklenburgische Geschichte I Seite 45, Munch II, Seite 23, Suhm, Historie af Danmark Band IV, Seite 94, J. Steenstrup, Det Danske Folks Historie Seite 6. ], nicht anzweifeln darf.

b. Die Stellung des Wendenfürsten Gottschalk und seine Beziehungen zu den Billungern

So konnte der aus England zurückgekeghrte Wenden-Fürst Gottschalk unter in ihre Grenzen zurückgewiesenen Wenden umso kräftiger seine Macht entfalten, von deren späterer Ausdehnung weiter oben schon die Rede war [9 Siehe oben Seite 128ff.]. Also haben die BILLUNGER ihm nicht nur durch die einstige Freilassung, sondern auch durch ihre Teilnahme an jenen Kämpfen gegen dei Wenden und das Geschlecht des Fürsten Ratibor direkt zu seinem Aufstieg verholfen.
Außerdem stand Gottschalk in einem guten Verhältnis zu Sven Estridson, der nach dem Tode des Königs Magnus im Jahre 1047 in Dänemark zur Herrschaft gelangte und dessen Tochter Sigrid Gottschalk zur Gemahlin erhielt [1 Adam III,19 (18) Seite 162, ohne Namen, wie auch II, 51 (50) Seite 190 vgl. Saxo Grammaticus X, Seite 557 "Sueno rex ...morum candorem sola libidinis intemperantis maculabat. Et filia Siritha (= Sigrid), quae postmodum Guthskalco Sclavico conjux accessit, in sequntibus referenda, pellice orta proditur." Die Zeit der Vermählung ist unbekannt. Suhm, IV, Seite 259 nahm dafür das Jahr 1058 an, und bezeichnet sie als eine uneheliche Tochter Svens. Gottschalk war vorher schon einmal verheiratet und hatte von jner uns unbekannten Gemahlin den später noch eingehendner zu behandelnden Sohn Buthue, der älter als sein von Sigrid empfangener Sohn Heinrich war.]. Daß er selber der Sohn einer Dänin gewesen sei, wird zwar mitunter behauptet, beruht aber nur auf einer Angabe, die sich im Chron. S. Mich. Lun. [2 Chron. S. Mich. Lun. SS. XXXII, Seite 398.] und in der Sächsischen Weltchronik [3 Sächsische Weltchronik MG Deutsche Chroniken II, Seite 166.] findet, während die zeitgenössischen Quellen nichts darüber bringen [4 S. Hofmeister, Hansische Geschichtsblätter 1920/21 Seite 281ff.].
Unter den Obotriten wie auch unter den ihnen benachbarten Stämmen wurde Gottschalk nun für die nächste Jahrzehnte ein straffes und den Frieden sicherndes Regiment zu führen, so daß er auch seitens der Kirche, vor allem beim Hamburg-Bremer Erzbistum volle Anerkennung und Unterstützung fand. Adam schreibt direkt: "Jenseits der Elbe aber und im Slawenland wurden unsere Angelegenheiten noch mit großem Glück geführt. Gottschalk nämlich, von dem oben die Rede war, ein wegen seiner Klugheit und Tapferkeit zu preisender Mann, nahm eine Tochter des Dänen-Königs zur Gattin und bezwang die Slawen so, daß sie ihn wie ihren König fürchteten, ihm Tribute darbrachten und bei ihrer Unterwerfung um Frieden baten. Unter diesen Zeitverhältnissen hatte unser Hamburg Frieden, und das Slawenland war voll von Priestern und Kirchen. Gottschalk also, ein gottseliger und gottesfürchtiger Mann, auch dem Erzbischof befreundet, ehrte Hamburg wie eine Mutter. Zu ihr pflegte er häufig zur Erfüllung von Gelübden zu kommen. Demgegenüber wirken einige neuerdings ausgesprochene Vermutungen, die Gottschalk und den BILLUNGER Ordulf als gegeneinander auszuspielende Schachfiguren der Hamburg-Bremischen erzbischöflichen Politik erscheinen lassen wollen, so annehmbar jener Versuch zur Klärung einer etwas unverständlichen Urkunde HEINRICHS IV. einem zunächst auch vorkommen könnte, etwas sonderbar.
Es handelt sich dabei um eine in Köln im Jahre 1062 ausgestellte Urkunde [1 DH. IV. 87 Seite 112.], die die Verleihung Ratzeburgs an Herzog Otto - gemeint ist allem Anschein nach der BILLUNGER Ordulf - zum Inhalt hat, angeblich aber nicht in die Hände des Empfängers gelangt ist, sondern im Domarchiv zu Speyer aufbewahrt wurde [2 Ebd. mit der Vorbemerkung des Hrsg.: Wigger (Meckl. Ann 143) versuchte früher schon, sie mit der Kirchenpolitik Adalberts in Oldenburg zusammenbringen, gibt aber zu, daß die Urkunde nichts derartiges andeute zund merkwürdigerweise auch von Gottschalks Seite gar nichts unternommen worden sei.]. Frahms versuchte hierzu eine Erklärung zu geben [3 F. Frahm, Adalbert von Bremen und die Billunger Mark im Jahre 1062, Zeitschrift für Schleswig Holsteinische Geschichte 58 Seite 287ff. (1929).]. Da Ratzeburg ja in dem Gebiete Gottschalks läge, meinte er, könne es sich nur um einen Versuch Adalberts gehandelt haben, bei der in der Urkunde geschehenen Überschreibung den Wenden-Fürsten und den BILLUNGER zu trennen bzw. beide gegeneiannder zu treiben, wobei letzterer aber anscheinend vorgezogen habe, nicht zum Prellbock der erzbischöflichen Kirchenpolitik zu werden, bzw. die Annahme zu verweigern [4 DH. IV. 87 Seite 112 "...qualiter nos interventu ac petitione.. nostrorum archiepiscoporum, videlicet Annonis Coloniensis et Adalberti Ammaburgensis, pro devoto etiam servitio fidelis nostri ducis Ottonis, eidem Ottoni duci quoddam castellum Razesburg dictum in eiusdem ducis Ottonis marchia et in pago Palobi situm cum omnibus eius pertinentiis, hoc est ...in proprim dedimus atque tradidimus".]. Frahm meint sogar, über jene bloße Vermutung hinausgehend, die Urkunde sei mit ihrer Erneuerung aller sächsisch-billungischen Ansprüche auf das kirchlich von der Hamburgisch-Bremischen Kirche beanspruchte Gebiet bis zur Peene ein politischer Schachzug Adalberts, zunächst zur Gründung Ratzeburgs, darüber hinaus zur Unterwerfung aller von Gottschalk beherrschten Slavengebiete unter Sachsen und Hamburg-Bremen [5 Frahm Seite 295 unten.]. Und obwohl er zwar die Feindschaft zwischen der Bremer Kirche und den BILLUNGERN nicht ignoriert, meint er doch unter Verkennung des von Adam geschilderten, oben angedeuteten Verhältnisses Gottschalks zur Kirche, daß die BILLUNGER und Adalbert gegen die Slaven, und in jener Zeit also auch gegen Gottschalk natürliche Bundesgenossen.
Es wäre vor allem in Frage zu stellen, ob es sich hier tatsächlich um ein so ausgeklügeltes politisches Intrigengespinst handeln muß, oder ob nicht in erster Linie vielleicht eine politische Handlung Annos von Köln darin zu sehen ist, der als Vormund des Königs zu jener Zeit die Verwaltungsgeschäfte an sich gerissen hatte. Seiner politischen Klugheit sind durchaus eigene Wege zuzutrauen, wenn es Anhänger für ihn zu gewinnen galt. Gewiß wird es seinen besodneren Grund haben, wenn Adabert als Intervenient mit auftrat, aber vielleicht hat Meyer von Knonau Recht mit der Vermutung, daß es sich bei Adalberts Mitbeteiligung an jener Überschreibung um einen Beschwichtigungsversuch gegenüber dem ihm gefährlichen BILLUNGER handelte [1 Meyer von Knonau, Jbb. Heinrichs IV. Band I Seite 289.], wie er ähnlich ja schon Ordulfs Bruder Hermann durch Kirchenlehen zu befriedigen suchte [2 Vgl. den Abschnitt über Hermann weiter unten Seite 165.]. Vielleicht braucht eine Verletzung der Gebiete des wohl mit der Bremer Kirche wie auch mit den BILLUNGERN in gutem Einvernehmen stehenden Gottschalk damit gar nicht gegeben zu sein. Nachrichten zur Bestimmung einer genauen Abgrenzung der verschiedenen Interessengebiete im sächsischen Grenzraum liegen uns nicht vor. [3
Außer Frahm beschäftigt sich vor ihm auch schon H. Hofmeister, Zeitschrift für schleswig-hoolsteinische Geschichte 56 (1927) Seite 67ff. in dem Aufsatz "Limes Saxoniae" mit jener Urkunde von 1062.]
Sicher nachweisbar sind für uns aber die freundschaftlichen und, wie wir noch sehen werden, sogar entfernt verwandtschaftlichen Beziehungen der BILLUNGER zu jenem wendischen Fürstengeschlecht, das in Unterschiede zu anderen wendsichen Machthabern, allerdings oft auch im Gegensatz zu der Stimmung der eigenen Untertanen, ein Zusammengehen mit den sächsischen und dänischen Nachbarn für das ratsamste hielt. Dies gewiß aus guten Gründen, wenn es auch gerade dem Fürsten Gottschalk und seinen ältesten Sohne zum Verhängnis werden sollte. Denn zum Jahre 1066 berichtet Adam [4 Adam III, 50 (49) Seite 193 und ihm folgend Helmold I, Seite 22.], daß Gottschalk am 7. Juni in Lenzen beim Ausbruch eines größeren Aufstandes der Wenden, dem auch viele christliche Priester und Laien unter grausamen Martern zum Opfer fielen, erschlagen worden sei. Adam scheint das Verhältnis Gottschalks zu Adalbert, die er beide vorher schon als Freunde bezeichnet hatte [1 Adam III, 19 (18) Seite 162.], noch einmal betonen zu wollen, wenn er hervorhebt, daß der Sturz des Erzbischofs und der Tod Gottschalks fast in einem Jahr, und zwar dem 22. des Erzbischofs erfolgten [2 Adam III, 51 (50) Seite 195f.]. Im weiteren Verfolg des Aufstandes wurde Hamburg völlig zerstört und das umliegende Land der Stormarn von Grund auf verwüstet. Der Urheber dieser Greuel war Blusso, ein Schwager Gottschalks, der nach der Rückkehr gleichfalls erschlagen wurde [3 Nur dies ist mit Sicherheit aus Adam (siehe Anmerkung 2) zu entnehmen. Gewöhnlich wird die Stelle dahin verstanden, daß Blusso der Urheber des ganzen Aufstandes und damit auch des Todes Gottschalks gewesen sei.]. Die Gemahlin Gottschalks, eine Tochter des Dänen-Königs, trieb man zusammen mit ihren Frauen nackt aus der Obotriten-Hauptstadt Mecklenburg fort [4 Davon, daß sie, wie Witte, Mecklenburgische Geschichte Seite 47 angibt, nach Dänemark geflohen sei, steht in den Quellen nichts. Es liegt aber nahe.]. Wohin sie sich wandte, wird nicht berichtet. Von Helmold erfahren wir nur, daß ihr und Gottschalks Sohn Heinrich, den auch Adam hier erwähnt, zu den Dänen floh, während sein älterer Stiefbruder, Buthue, sich zu den Barden begab und bei den seinem Vater befreundeten Sachsen-Fürsten Hilfe suchte, die ihm auch  in Erinnerung an vergangene Dienste, wie es heißt, beistanden und ihn nach vielen mühseligen Feldzügen wieder einsetzten [5 Helmold I, 25 Seite 47.]. Seine Macht soll aber gering geblieben sein, da er bei seinem Volke als Verräter galt. Von seinem unglücklichen Ende, das Helmold zeitlich in Zusammenhang bringt mit der Hochzeit des Herzogs-Sohnes Magnus, ist nachher noch einiges zu sagen.
Auch Heinrich erfuhr durch die BILLUNGER später noch mehrmals tatkräftig Hilfe. Man hat ihn sogar als Vetter des Magnus bezeichnet [6 Witte Seite 50.]. Helmold nennt ihn in der Tat dessen "cognatus" [7 Helmold I, 34 Seite 67.]. Nachweisen läßt sich freilich nur eine sehr entfernte Verwandtschaft: beide stammen im 4. Glied von einer nach Schweden und Dänemark verheirateten Tochter des ersten christlichen Polen-Fürsten Misiko ab [1 Hofmeister, Hansische Geschichtsblätter 1920/21 Seite 281ff. gibt eine Übersichtstafel, aus der die möglichen Verwandtschaftsbeziehungen zwischen Magnus und Heinrich ersichtlich werden.]. Magnus hatte eine norwegische, Heinrich eine dänische Königs-Tochter zur Mutter [2 Vgl. oben Seite 157 Anmerkung 1.].

c. Die Familie Ordulfs

Über das Todesjahr Ordulfs haben auf Grund der sich widersprechenden Quellenangaben lange Zeit weitgehendst Meinungsverschiedenheiten geherrscht, bis man sich schließlich nach Heranziehen und Vergleichen von weiteren Quellenstellen allgemein auf das Jahr 1072 festlegte, das jedenfalls den uns möglichen Untersuchungen nach auch das richtige angesehen werden kann. Es bietet sich dazu folgendes Material:
Bei Adam lesen wir, daß Ordulf seit dem Hinscheiden seines Vaters (29. Juni 1059) während eines Zeitraumes von 12 Jahren vergeblich gegen die Slaven gekämpft habe [3 Adam III, 51 Seite 195 "Dux noster Ordulfus in vanum sepe contra Sclavos dimicans per XII annos, quibuis patri supervixit".]. Genau gerechnet würde allerdings vom Juni 1059 bis März 1072 12 3/4 Jahre herauskommen, doch kann das eine einfache Abrundung sein. Lampert von Hersfeld, der als nächster in Farge kommt, schreibt im Jahre 1073 von Herzog Ordulf "superiora anno decesserat" [4 Lampert Ann. Holder-Egger Seite 148.], was auch auf 1072 deuten würde, obgleich Wedekind, der für das Jahr 1071 als Todesjahr eintrat, die Angabe Lamperts aus dessen eigentümlicher Zeitrechnung heraus zu erklären suchte [5 Wedekind Herzog Hermann Seite 73 und Noten II, Seite 411. Dabei hatte Wedekind darzulegen gesucht, daß die von Lampert angewandte Zählungsart welche den Jahresanfang mit dem Weihnachtsfest zusammenfallen läßt, mit einkalkuliert werden müsse, so daß das Jahr 1073 für Lampert mit Weihnachten 1072 beginne und die Wendung "superiore anno" als für 1071 gemeint zu verstehen sei.], und zwar in scheinbar so überzeugender Art, daß man ihm zunächst ohne weiters folgte [6 H.B. Hesse in SS, V, Seite 95 Anmerkung 96, Havemann, Geschichte von Braunschweig und Lüneburg Seite 79ff., Heinemann, Geschichte von Braunschweig und hannover Seite 118f., Dehio, Geschichte des Erzbistums Hamburg-Bremen Band I, Seite 274.].
Die Rosenfelder Annalen geben dagegen den Tod Ordulfs zum Jahre 1073 [1 Ann. Ros. SS. XVI, Seite 100 "1073... Ordulfus dux Saxonum obiit 5. Kal. Apr."], während der Sächsische Annalist im Jahre 1071 von seinem Ableben berichtet [2 Annalista Saxo SS. VI, Seite 698 zu 1071]. Das von den Rosenfelder Annalen angegebene Todesjahr 1073 kann leicht ein irrtümliches sein, da die dort zwischen den Jahren 1059 und 1079 verzeichneten Angaben im Gegensatz zu denen der übrigen Jahre durchweg so kurz sind, daß man sofort den Eindruck gewinnt, daß hier versucht worden sei, eine von jenen wirren Jahren  entstandene Lücke nachträglich auszufüllen, was dann natürlich leicht auf Kosten der Genauigkeit geschehen sein mag [3 Ann. Ros. SS. XVI, Seite 100.].
Aber auch über den Wert der Jahresangaben beim Sächsischen Annalisten (1071) darf man sich keine falschen Vorstellungen machen, zumal er ja noch später anzusetzen sit als die Rosenfelder Annalen, aus denen er vieles übernahm [4 Annalista Saxo Einleitung, SS. VI, Seite 542ff.]. Auch die Art seiner Schilderung läßt erkennen, daß es sich um einen späteren, zusammenfassenden Bericht handelt [5 Siehe Anmerkung 2.].
Gegen die Datierung zu 1071 wandte sich dann vor allem Meyer von Knonau [6 Meyer von Knonau, Jbb. Heinrichs IV. Band II Seite 72,148,856.] in Anlehnung an die Untersuchungen von Breskas [7 N. von Breska, Untersuchungen über die Nachrichten Helmolds Seite 39f.]. Entscheidend wirkte eine Urkunde HEINRICHS IV. aus Worms vom 29. Dezember 1071 [8 DH. IV. 247, Seite 313.], in der Ordulf noch Erwähnung geschieht. HEINRICH überschreibt an jenem Tage dem Suitbertstift zu Kaiserswert das Lehen eines Dienstmannes Guntram zur Aufbesserung des Verpflegungssatzes der Brüder des Stiftes, und im Text heißt es dann: "...subvenientibus quoque nostris fidelibus...ducibus quoque Rodolfo Alimanniae et Welfone Baioariae atque Ottone Saxoniae...". Da der Todestag Ordulfs aber nach der Angabe des Necr. S. Mich. Lun. der 28. März ist [9 Necr. S. Mich. Lun. Wedekind Noten III, Seite 23 "Ordulf dux pater M.d."], so kann demnach doch wohl nur das darauffolgende Jahr 1072, das übrigens auch in nordischen Quellen als sein Todesjahr vermerkt ist [10 Ex Annalibus Island. SS. XXIX, 258 zu 1072 "Adulfr hertog af Brunsvik er atti Ulfhildi dottur Olafs Konungs".], in Frage kommen.